5.5 %, 6.5 % oder 7.5 % – was macht den Unterschied?

Impressum: AWP Nr. 3, 20. Februar 2008: Artikel von Herbert Brändli, PK-Experte und Präsident des Stiftungsrates der Profond Vorsorgeeinrichtung

Arbeitgeber zahlen im Rahmen der zweiten Säule während 40 Jahren rund 10 % der AHV-Löhne in Pensionskassen ein. Diese Beiträge sind die Basis für die späteren Altersrenten ihrer Mitarbeiter. Ihre Anlage und die damit erzielten Erträge bilden die eigentliche Wertschöpfung der betrieblichen Altersvorsorge. Die Zinsen werden darum auch als dritte Beitragszahler bezeichnet. Bei gegebener Laufzeit bestimmen sie weitgehend die Höhe der Altersrenten.

Die planmässige Verzinsung der Deckungskapitalien oder Altersguthaben erfolgt mit dem technischen Zins. Dieser ist auf das langfristige Ertragspotential einer Pensionskasse abgestimmt. Er dient ihr zur Kalkulation der künftigen Altersrenten und zeigt ihre nachhaltige Leistungsbereitschaft. Das Verhältnis zwischen dem bis zur Pensionierung erarbeiteten Kapital und den späteren Altersrenten entspricht dem technischen Umwandlungssatz. Er ist heute das meist umstrittene Mass für die Leistungsfähigkeit der Pensionskassen. Diese Betrachtung aus der Froschperspektive beim Übergang von der Spar- in die Rentenphase wird den komplexen Abhängigkeiten nicht gerecht. Für eine Beurteilung der wahren Bedeutung der Erträge und der von ihnen abgeleiteten Zins- und Umwandlungssätze ist die gesamte Verbleibsdauer der Versicherten in der betrieblichen Vorsorge massgebend.

Kapitalentwicklung

Kapitalentwicklung

Graphik 1

 In der Graphik 1 wurde modellartig für verschiedene technische Zinssätze die Kapitalentwicklung während einer Verbleibsdauer von 60 Jahren festgehalten. Die Sparphase beträgt 40 Jahre und die Rentenlaufzeit wurde auf 20 Jahre fixiert, was in etwa der heutigen Lebenserwartung einer 65-jährigen Frau entspricht. Im vereinfachten Modell sind keine Solidaritäten berücksichtigt aber entsprechend dem Auftrag der Pensionskassen wird für jeden Versicherten separat ein Kapital angespart, das während der Rentenphase wieder auf Null abgebaut wird.

Statische Betrachtung

In einem Beitragsprimat mit konstanten Jahresbeiträgen von 10'000 Franken beträgt das Sparkapital nach 40 Jahren 400'000 Franken, falls der dritte Beitragszahler ausfällt und kein Zins gutgeschrieben wird. Damit kann eine jährliche Altersrente von 20'000 Franken ausgerichtet werden, wenn das Kapital über die verbleibenden 20 Jahre wieder auf Null abgebaut wird. Die Rente beträgt somit 5 % des Sparkapitals.

Im Leistungsprimat müssen für ein vorgegebenes Rentenziel von 36'000 Franken mit Null Zinsen jährliche Beiträge von 18'000 Franken entrichtet werden. Bezogen auf einen versicherten Lohn von 60'000 Franken ist das Rentenziel 60 % und die notwendigen Beiträge betragen 30 %. Mit dem gleichen Umwandlungssatz von 5 % muss damit bei der Pensionierung ein Spar- bzw. Deckungskapital von 720'000 Franken vorhanden sein.

Beitragsprimat vs. Leistungsprimat

Die enorme Bedeutung des dritten Beitragszahlers ist aus Tabelle 1 ersichtlich. Bereits mit einem Zinssatz von 1 % kann mit gleich bleibenden Beiträgen an Stelle einer Altersrente von 20'000 Franken eine solche von 27'091 Franken erwartet werden. Der zugehörige Umwand-lungssatz steigt von 5 % auf 5,5 % an. Im Leistungsprimat reduzieren sich die notwendigen Beiträge von 30 % auf 22 % des versicherten Lohns.

Die von Schweizer Pensionskassen offerierten Umwandlungssätze bewegen sich aktuell zwischen 5,5 % und 7,5 %. Dahinter verstecken sich technische Zinssätze zwischen 1 % und 5 %. Im Modell basiert der Umwandlungssatz von 7,1 % auf einem technischen Zins von 4 %. Er lässt die risiko- und zinslose Altersrente von 20'000 Franken auf 69'921 Franken anschnellen. Im Leistungsprimat können dank dieser Zinsdifferenz die Beiträge von 30 % auf 8,6 % des versicherten Lohns reduziert werden.

Einfluss der Lebenserwartung

Aufgrund von biometrischen Erfahrungszahlen wird angenommen, dass die Lebenserwartung weiterhin zunehmen wird. In der Folge werden auch die Laufzeiten der Altersrenten verlängert und zwar um rund 5 % oder 1 Jahr je Dekade. In der Folge schrumpft die Rente, je nach technischem Zins, der für ihre Berechnung hinterlegt wurde. Mit einem Zinssatz von 4 % sinkt im Modell der Umwandlungssatz von 7,1 % auf 6,7 %. Die entsprechende Rentenreduktion könnte mit einer Erhöhung der Jahresbeiträge um 6,3 % wettgemacht werden. Weit wirkungsvoller ist eine Zinserhöhung. Mit zusätzlichen Zinsen von 0,2 % können die Rentenkürzungen infolge der zunehmenden Lebenserwartung bereits ausgeglichen werden.

Technischer Zins von 4 % realistisch?

Sind Pensionskassen in der Lage, die notwendigen Erträge für einen technischen Zins von 4 % zu erzielen ? Diese belaufen sich auf 4,5 %, wenn 0,2 % für den Ausgleich der zunehmenden Lebenserwartung, 0,1 % für die Abgeltung von Administrations- und Verwaltungskosten und 0,2 % für Unerwartetes reserviert werden.

Ein Blick zurück eröffnet hoffnungsvolle Perspektiven. Schweizer Pensionskassen konnten in der Vergangenheit das Renditeziel von 4,5 % mühelos erreichen. In Graphik 2 sind die gleitenden Durchschnittsrenditen von Schweizer Titeln seit 1925 über je 60 Jahre aufgezeichnet. Obligationen rentierten durchschnittlich mit 4,4 %. Das schlechteste Resultat betrug 4,1 %, im Maximum wurden 4,6 % erreicht.

Durchschnittsrendite ab 1925, rollend über 60 Jahre

Durchschnittsrendite

Graphik 2

Strategien mit hohen Aktienquoten haben sich in jedem Fall ausgezahlt. Mit reinen Aktienanlagen wurde mit steigender Tendenz immer mindestens 6,6 % erreicht. Aktien rentierten mit durchschnittlich 8,5 % weit besser als Obligationen. Die höchsten Erträge wurden in der Periode von 1940 bis 2000 mit durchschnittlich 10,2 % erzielt.

Langfristig denken

Die Erfahrung lehrt, dass es höchste Zeit ist, im beruflichen Vorsorgewesen von kurzfristigen Denkschemas und Handlungsstrategien wegzukommen. Mit langfristig orientierten Anlagestrategien ist ein technischer Zinsfuss von 4 % jederzeit gerechtfertigt. Seit 1985 wurden mit dem BVG-60-Index von Pictet im rollenden 10-Jahres-Durchschnitt nie weniger als 6,1 % erzielt und sogar der äusserst konservative BVG-25 Index brachte über diesen Zeitraum immer mindestens 5,4 %. 

In der Praxis kalkuliert beispielsweise die Sammelstiftung Profond ihre Leistungen mit dem technischen Zins von 4 %. Anlageseitig wurde der strategische Aktienanteil seit der Gründung der Stiftung im Jahr 1991 stetig erhöht und beträgt heute 50 %. Damit wurden trotz Börsencrashs und -korrekturen im Durchschnitt 7,1 % erwirtschaftet. So ist es gelungen, die allgemein positive wirtschaftliche und konjunkturelle Entwicklung der vergangenen Jahre für Rentner und Aktive gleichermassen zu nutzen. Dank einer durchschnittlichen internen Verzinsung von 5,1 % konnten die Altersguthaben der aktiven Versicherten regelmässig über der technischen Vorgabe verzinst und die laufenden Renten im Mittel jährlich um 1,2 % erhöht werden. Daneben wurden mit der Bildung von zusätzlichen Deckungskapitalien die Voraussetzungen geschaffen, dass laufende Renten länger bezahlt werden können und der aktuelle Umwandlungssatz von 7,2 % auch für die Jungen dereinst noch gültig sein wird.

Herbert Brändli
B+B Vorsorge AG
8800 Thalwil

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