Die Versicherung der Altersvorsorge kostet nur
Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Artikel in KMU LIFE, 18. April 2011.
Versicherungsgesellschaften leben von Angst und Risiken. Durch die Übernahme von Zins- und Anlagerisiken verdienen sie schon lange gutes Geld mit Pensionskassengeldern der KMU. Zur besseren Erschliessung dieser nahrhaften Gewinnquelle haben sie neu das Langleberisiko zu einem Hauptrisiko erhoben. Diese Versicherung erhöht die Kosten der 2. Säule und schmälert die Renten noch mehr.
Grössere und dickere Einwohner zeigen, dass der Wohlstand in der Schweiz wächst. Die Steigerung beträgt seit 1985 rund 50 Prozent. Dieses Wachstum birgt Chancen für alle Werktätigen. Da die Produktion von Gütern auf veralteten biometrischen Daten beruht, sind Textil-, Schuh-. Möbel-, Auto- und andere Industrien ständig gefördert. Sie begegnen dieser Herausforderung mit Angebotserweiterungen und passen ihre Sortimente an. Niemandem käme es in den Sinn sich deshalb gegen Wachstum zu versichern.
Auch die Vorsorgeindustrie berechnet ihre Leistungen mit veralteten biometrischen Daten. Seit geraumer Zeit nehmen die Lebenserwartungen zu: seit 1985 um rund zwei Jahre. Dieses Wachstum verlangt bei der Pensionierung für eine lebenslange Rente rund zehn Prozent mehr Deckungskapital. Für das Ansparen des Mehrbetrags stehen jedem Versicherten 40 Jahre zur Verfügung. Pensionskassen müssten dafür jährlich ein Viertel Prozent mehr Ertrag generieren.
Die finanzielle Abdeckung dieser seit zig Jahrzehnten beobachteten gut abschätzbaren, linearen Zunahme der Lebenserwartung war für Pensionskassen nie ein Problem. Erst mit der vom Versicherungsverband angezettelten Rentenklaudiskussion ist diese praktisch unbedeutende Herausforderung fast schockartig eingefahren. Alles spricht mittlerweile von Langleberisiken. Die aktiven Versicherten werden durch drohende Finanzlöcher und Umverteilungseffekte verängstigt, weil Mehrerträge im BVG-Modell nicht vorgesehen sind und Versicherungen die nötige Rendite nicht abwerfen.
Dass jetzt Versicherer mit noch mehr Versicherung eine Heilung der von ihnen verursachten Malaise anbieten, ist bizarr. Sie erklärten die zunehmende Lebenserwartung zu einem Hauptrisiko und möchten Pensionskassen liebend gerne davor schützen. Allerdings können sie grundsätzlich nichts anderes tun, als das, was Pensionskassen tun müssten: Rechtzeitig das zusätzlich notwendige Kapital für die länger laufenden Renten bereitstellen. Nachdem Versicherungsgesellschaften sogar die minimalen Erträge des BVG-Modells nicht erwirtschaften konnten, bleibt ihnen nur die Möglichkeit, noch mehr Beiträge zu erheben, oder die Renten zu senken - wie das ihr Verband seit Einführung des BVG inständig fordert.
Leistungsreduktionen, welche die BVG-Modelle und Versicherer verlangen, stehen in krassem Widerspruch zur festgestellten Wohlstandssteigerung. Ein Vergleich der Modellprognosen mit der Wirklichkeit bestätigt denn auch, dass die Renten trotz steigender Lebenserwartung nicht dünner werden müssen. Am Beispiel der Profond haben wir stellvertretend die tatsächliche der modellmässigen Entwicklung gegenüber gestellt. Vor 20 Jahren gewährte diese unabhängige Sammelstiftung für KMU einem Aktiven im Alter von 65 Jahren für ein Altersguthaben von CHF 500'000 eine Jahresrente von CHF 36'000 (Umwandlungssatz 7.2 Prozent).
Das Altersguthaben wird im Modell monatlich um CHF 3'000 reduziert und jährlich um den Zins von vier Prozent erhöht. Nach 18 Jahren ist es aufgebraucht. Für den besagten Rentner wäre im Alter von 83 Jahren nichts mehr vorhanden gewesen. Im reinen BVG-Modell mit weniger jährlichen Zinsgutschriften wäre das Ende noch früher gekommen. Dieser Rentner müsste nach dem Verständnis der modellorientierten Schwarzmaler heute von der Substanz seiner frühzeitig verstorbenen Mitrentner oder von Beiträgen der Jungen leben. Sie argumentieren, die Jungen finanzierten die Alten und deren Renten seien bis zu 30 Prozent zu hoch - dies wird gerne als einzige Wahrheit über die berufliche Vorsorge verkauft. Kaum erstaunlich also, dass ihr Lösungsansatz aus Rentenkürzungen besteht.
In der unabhängigen Sammelstiftung Profond wird das Altersguthaben ebenfalls monatlich um die Rente reduziert. An Stelle der technischen Verzinsung werden aber die tatsächlich erwirtschafteten Erträge gutgeschrieben. Profond investiert vornehmlich in Unternehmen, welche die Wirtschaft voranbringen und den Wohlstand erhöhen. Derart hat das für das Rentenbeispiel zurückgestellte Kapital Ende 2010 noch CHF 306'212 betragen obwohl die Rente in mehreren Schritten von CHF 36'000 auf CHF 42'537 angehoben wurde. In der Profond-Realität dürfen Rentner auch im stolzen Alter von 85 Jahren noch lange ohne schlechtes Gewissen weiter leben. Sie werden dereinst den nachfolgenden Generationen ein schönes Polster hinterlassen, vorausgesetzt diese versauen das gemachte Nest nicht vorher mit obrigkeitskonformen Anlagen und Versicherungen.
Herbert Brändli ist Betriebswirtschafter und Eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte. Er ist Verwaltungsratspräsident und Gründer der B+B Vorsorge AG, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Dynamik und Transparenz in die berufliche Vorsorge zu bringen und ihren Kunden eine fundierte Beratung sowie interessante Alternativen zu bieten.
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